Edwin Geist. Kammermusik und Lieder
Im Juni 2007 erschien die CD "Edwin Geist. Kammermusik und Lieder" mit Verena Rein, Peter Schöne, Axel Bauni und Mitgliedern des Chordos Quartetts beim Verlag "Potsdamer Bibliothek östliches Europa, Musik": www.kulturforum.info inklusive einer 20-seitigen Broschüre in deutscher, englischer und litauischer Sprache.Das Deutsche Kulturforum östliches Europa mit Sitz in Potsdam initiierte und finanzierte dieses CD-Projekt. AMB artists management berlin half bei der Planung und Durchführung.
NEU! Presseresonanz: Rezension in der Oktober 07 - Ausgabe der nmz (Neue Musikzeitung): die CD-Einspielung und die ausführliche Broschüre werden sehr gelobt und empfohlen. Lesen Sie hier die gesamte Besprechung (pdf -file)
Projektbericht von Dr. Klaus Harer, entnommen der Website des Deutschen Kulturforums östliches Europa:
Edwin Geist, Kammermusik und Lieder – ein deutsch-litauisches Projekt
CD-Ersteinspielung · Erscheinungsdatum Juni 2007
Über die musikalische Ausbildung Geists ist bisher nichts bekannt. In der Spielzeit 1924/25 arbeitete er als Korrepetitor an den Städtischen Bühnen Stettin; in der Spielzeit 1928/29 war er Kapellmeister am Zürcher Schauspielhaus, danach lebte er wieder in Berlin. Nachdem ihm als »Halbjude« 1937 Berufsverbot erteilt worden war, gelang Geist 1938 die Flucht nach Kaunas, die damalige Hauptstadt Litauens. Dort heiratete er im Sommer 1939 die jüdische Pianistin Lyda Bagriansky.
Nach der Okkupation Litauens durch deutsche Truppen im Sommer 1941 wurde Edwin Geist mit seiner Ehefrau im Ghetto von Kaunas interniert. Ende März 1942 gelang es ihm, da er »Halbarier« war, für einige Monate aus dem Ghetto frei zu kommen. Geist bemühte sich in aufreibenden Verhandlungen mit den örtlichen Nazi-Größen, auch seine Frau zu befreien. Die Erlebnisse dieser Zeit hielt er in seinem erschütternden Tagebuch für Lyda (als Buch im litauischen Verlag Baltos Iankos 2002 erschienen) fest. Im August 1942 erreichte er tatsächlich die Entlassung Lydas aus dem Ghetto. Einige Monate später wurde Geist von der Gestapo verhaftet und am 10. Dezember 1942 im Neunten Fort in Kaunas erschossen. Seine Frau nahm sich kurz darauf das Leben.
Die Notenmanuskripte Geists wurden von litauischen Freunden aus der versiegelten Wohnung entwendet und werden heute von dem Dirigenten Juozas Domarkas aufbewahrt, der sich bereits seit den 1970er Jahren um eine Wiederentdeckung der Musik Geists bemühte. 1973 organisierte er Konzerte in Vilnius und Kaunas mit Chor- und Orchesterwerken Geists. 2002, hundert Jahre nach Geists Geburt und sechzig Jahre nach seiner Ermordung, wurde Edwin Geists Musikschauspiel Die Heimkehr des Dionysos am Russischen Theater in Vilnius uraufgeführt.
Das Deutsche Kulturforum östliches Europa hat nun im Juli 2006 erstmals das schmale Oeuvre Geists für Kammerbesetzung in einem deutsch-litauischen Projekt eingespielt. Es sind Lieder für Sopran mit Klavier- bzw. Streicherbegleitung, Lieder für Bariton und Violine sowie ein Stück für Klaviertrio. An der Aufnahme der zwischen 1928 und 1942 entstandenen Werke waren Verena Rein (Sopran), Peter Schöne (Bariton) und Axel Bauni (Klavier) sowie Mitglieder des Chordos-Quartetts (Vilnius) beteiligt. Die Aufnahmeleitung im neuen Konzertsaal in Klaipėda (Litauen) hatte die Tonmeisterin Laura Jurgelionytė vom Tonstudio »Studija Aurea«) (Vilnius).


